Umfrage zur derzeitigen Auftragslage von Filmschaffenden (Oktober 2025)
Angesichts der aktuellen Entwicklungen in der deutschen Film-, Fernseh- und Streamingbranche führte die Initiative Fair Film (IFF) im Oktober 2025 eine Umfrage zur derzeitigen Auftragslage von Filmschaffenden durch.
Die Umfrage richtete sich an Filmschaffende aus allen Bereichen – von der Stoffentwicklung über die Produktion bis hin zur Postproduktion – sowie an selbstständige Filmschaffende (mit und ohne Personal).
Ziel der Umfrage war es, ein aktuelles, realistisches Bild der Auftragslage in der Branche zu zeichnen. Die Umfrage wurde von den 30 Berufsverbänden, Institutionen und Initiativen der deutschen Filmbranche, welche sich im Rahmen der IFF zusammengeschlossen haben, unter ihren Mitgliedern und darüber hinaus geteilt.
Stichprobe und Tätigkeitsschwerpunkte
Insgesamt nahmen 1.177 Filmschaffende an der Umfrage teil, die in den Bereichen Stoffentwicklung, Set, Animation, Postproduktion und Produktionsbüro tätig sind.
– Die größte Gruppe (knapp zwei Drittel) ist am Set tätig.
– Jeweils knapp ein Sechstel ist in der Postproduktion bzw. im Produktionsbüro tätig.
– Am seltensten sind die Teilnehmenden in der Stoffentwicklung und in der Animation tätig.
Geschlecht und Alter
– Die deutliche Mehrheit der Teilnehmenden bezeichnete sich als Mann (57,8 %). 40,9 % der Befragten gaben an, eine Frau zu sein, etwas über 1,4 % ordneten sich dem dritten Geschlecht zu.
– Eine Altersanalyse zeigt, dass der Großteil der Befragten zwischen 36 und 67 Jahre alt ist (77,2 %). Ein Fünftel (22,0 %) aller Befragten ist 20–35 Jahre alt, und weniger als 0,8 % sind über 68 Jahre alt.
Anstellung vs. Selbstständigkeit
Mehr als die Hälfte (54,3 %) der Teilnehmenden ist auf Produktionsdauer angestellt. Etwas weniger als ein Drittel (29,1 %) arbeitet selbstständig. Ein Zehntel wechselt zwischen beiden Modellen, und die kleinste Gruppe (6,4 %) arbeitet in fester Anstellung auch über die Dauer einzelner Produktionen hinweg.
Zur Einkommenssituation
– 41,8 % der befragten Filmschaffenden verzeichnen für die Jahre 2024/2025 eine Einkommenseinbuße von mehr als 20 % (im Vergleich zu 2022/2023).
– Selbstständige Filmschaffende, die auf Rechnung tätig sind, sind stärker betroffen. Von ihnen geben 48,0 % eine Einkommenseinbuße von mehr als 20 % (im Vergleich zu 2022/2023) an.
– Am stärksten betroffen sind Rechnungssteller*innen in der Stoffentwicklung und am Set. Hier sagen 50,9 % der Filmschaffenden in der Stoffentwicklung und 50,0 % der Filmschaffenden am Set, dass ihr aktuelles Einkommen im Vergleich zu den Jahren 2022/2023 um mehr als 20 % geringer ist.
Sorge vor Insolvenzen und Verlust der Anstellung
– 30,8 % der Filmschaffenden, die selbst Angestellte beschäftigen, fürchten in den kommenden Monaten eine Insolvenz. Der überwiegende Teil dieser Gruppe ist im Bereich der Postproduktion von Bild und/oder Ton tätig.
– Knapp 20 % der angestellten Filmschaffenden gaben an, aufgrund der Branchensituation aktuell (Oktober 2025) ohne Anstellung zu sein.
Inanspruchnahme von Sozialleistungen
– 74,1 % der befragten angestellten Filmschaffenden haben in den letzten zwei Jahren Sozialleistungen bezogen.
– Die Zahl der angestellt beschäftigten Filmschaffenden, die durchgehend arbeitssuchend waren, hat sich zwischen 2022 und 2024 mehr als verdreifacht. Für das Jahr 2022 gaben 2,5 % an, arbeitssuchend gewesen zu sein, für das Jahr 2024 gaben dies 8,0 % an.
Verlust der Rücklagen
– Insgesamt gaben knapp 80,0 % der befragten Filmschaffenden (unabhängig vom Anstellungsverhältnis) an, dass sie ihre Rücklagen angreifen mussten.
– Für 23,9 % der Befragten sind diese Rücklagen entweder bereits aufgebraucht oder sie sind aktuell verschuldet.
– Knapp 40,0 % der befragten selbstständigen Filmschaffenden haben ihre Rentenversicherung oder Zusatzversicherungen zur Absicherung der Gesundheit oder Erwerbstätigkeit eingeschränkt oder gekündigt.
Zur emotionalen Verfassung
Zwei Drittel der befragten Filmschaffenden geben an, dass das Ausbleiben von Arbeit und die daraus resultierenden finanziellen Probleme Auswirkungen auf ihre psychische Gesundheit haben.
Zur Bereitschaft, die Branche zu verlassen
Drei Viertel der befragten Filmschaffenden haben grundsätzlich schon einmal darüber nachgedacht, die Branche zu verlassen. 11,9 % gehen bereits konkrete Schritte für einen Jobwechsel, und 20,7 % arbeiten bereits parallel in einer anderen Tätigkeit.
Für Rückfragen und weitere Informationen kann die IFF per Mail kontaktiert werden. Eine ausführliche Dokumentation ist unter diesem Link zu finden.